Der sogenannte "Shitstorm"

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Dass der Henoth straffrei bleibt, ist kein Wunder. Und das liegt dann nicht einmal an etwa gering ausgeprägten Ehrverletzungen oder etwa einer zu gering angehäuften Zahl von Diffamierungen, Beschimpfung und Beleidigungen in seiner gesammelten Speckschwarte.
 Ja woran liegt es dann, Henoth, fragt ihr mit krauser Nase und einem offen Browsertab, in dem das Wort Cybermobbing irgendwo im Text vorkommt.

Und mit Sicherheit lässt sich dafür auch eine befriedigende Kausalkette entwerfen, deren jeweilige Enden ihr, ebenso wie es beim Christbaumschmuck quer über den Baum getan wird, ihr über eure wenig ausverfasste Meinung hängen wollt; klar und strahlend fixiert, bis der ganze Baum im Januar weg muss, wie der Weihnachts-Deko-Hirsch, weil sich für eure tradierten Meinungen immer nur während saisonalen Begebenheiten interessiert wird. Weil es euch doch peinlich ist, wenn man mit dem Hirsch alleine ist.

Und gerade ist Jagdsaison, Henoth hat seine Flinte immer mit Mausklicks geladen und macht Jagd auf die Schwachen im Rudel. Nur zum Beispiel auf Dich. Denn Jagdsaison, das suggeriert uns der mediale Überbau der online Nachrichtenredaktionen, ist im Netz zur Zeit auf Cybermobbingopfer.

 Money quote: "Viele Menschen sind ununterbrochen online. Cybermobbing kann sie überall erreichen." - tagesschau.de

 Eine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird? Mit Sicherheit. Aber vor allem auch wieder mal ein Besipiel, wo der Nachrichtentext teil der causa ist. Wieso das, Henoth?
Langsam, fangen wir damit an, deren Semantik auseinanderzunehmen. Cyberbullying wird da definiert als sich wiederholende Taten, bei denen die Machtverhältnisse unausgeglichen sind. Und mit Taten meinen sie ärgern, Bloßstellung und auf einem Facebook Account rumhacken.

Ich hoffe dass diese Zote den Gasknecht-Blog als Cybermobbing/ -bullying gelten lässt., weil ich mit meinen wichtigsten Ressorts ja auch wiederholt Bloßstellung betreibe und auch hier sind die Machtverhältnisse unausgeglichen. In welche Richtung auch immer.

Zusätzlich sei die Brutalität erhöht, weil unberechenbar viele Menschen über das Internet involviert sind. Wenn nun das Opfer auch noch zum Täter werde, entstehe eine Gewaltspirale. - tagesschau.de

Nicht auszudenken! Man stelle sich nur mal vor, wie ungeschützt diese Sachen auf die Kinder einprasseln, die sich überhauptnicht wehren können. Und dann kommen auch noch zu 17% der Kidner die PabAk und Wobbler-Eltern ins Kinderzimmer und müssen feststellen, dass sich ihre Kinder zu "a complete idiot on the internet" machen.

Ein Teufelskreis, meine Damen und Herren! - TV Kaiser

Dass dies natürlich ein Kuchen aus bereits bekannten Zutaten ist, wissen wir schon während RTL die Reportage anmoderiert, wo man dann sieht wie die Kamera der Mutter in einer Wohnung in das Zimmer folgt, wo der PC für alle steht. So ein Ding mit den 5 Euro Lautsprechern und einer Maus, mit Kugel drin, wobei schnell klar wird, der Drucker wurde seit der Enttäuschung der ersten Nutzung nur zur Kopfreinigung und zum Lesen von wicchtigen Internetseiten eingeschaltet und der 14 jährige Sohn streitet sich 24/7 mit der 9 jährigen Tochter wer als nächstes CandyCrush Saga spielt oder in den Knuddelz-Chat darf. Der Sohn ist der betroffene.

Besonders die Gruppe der Täter-Opfer interessiert Festl. Diese sogenannten aggressiven Opfer, die sich eben auch wehren oder rächen, seien meist Hauptschüler.  - tagesschau.de


Die Eltern sind bereits völlig überfordert wegen der Druckkopfreinigung des Tintenstrahlers und eigentlich diese Woche ihrer Meinung nach schon viel zu oft "am Gerät" gewesen. Wegen Problemen. Die Kinder haben Probleme. Die Kidner werden geärgert, sagt die Mutter in die Kamera. Was man nicht sieht, ist dass die Mutter dann feststellt, dass man das eigentlich nicht in die Kamera zur Hauptsendezeit sagen sollte, weil einem da keiner bei helfen kann, sondern die Zuschauer einen bemitleiden werden. Mitleid und Hohn. Hohn und Spott. Spott und Cyberbullying. Denn im Online-Ressort werden die unmoderierten Kommentare irgendwann in der Dimension der Beschimpfung enden und die Mutter mitbeschimpfen.

Die Zutaten sind also bekannt. Nicht ganz kann ich mich bei so etwas Sascha Lobo anschließen, der seinerseits postuliert, dass es sich bei den meisten Trollereien um eine Fortsetzung des Klingelstreichs mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts handele. Aber er bringt uns trotzdem auf den entscheidenden Kurs: Und zwar die Greater Internet Fuckward Theory.

The Greater Internet Fuckwad Theory (GIFT) is a postulate which asserts that normal, well-adjusted people may display psychopathic or antisocial behaviors when given both anonymity and a captive audience on the Internet. - knowyourmeme.com
Ich darf also zusammenfassen - Die Zutaten zum Trollen:
  • immer Anonymität
  • einige Zuschauer
Ich meinte bereits Lobo liegt nicht ganz falsch in seinem Vergleich. Ich jedoch sage, wenn Cybermobbing der Klingelstreich des 21. Jhds ist, das ist Trollen das Edding-geschmiere in allen öffentlichen Toiletten. Fehlt uns also für das Cybermobbing etwa noch eine weitere Zutat?  Ich denke nicht. Es ist lediglich eine Frage der Mengen und der Zubereitung:

Meine Zutaten für Cybermobbing:
  • einige Anonymität
  • immer Zuschauer
  • wiederholen, bis er/sie fertig gemacht wurde.
 
Anders sieht das Chris Mooney, der sich schließlich auf ein Paper in Psychologie bezieht, welche klare Anweisungen trifft, was es brauch um ein Troll zu werden.
  • Machiavellianism (willingness to manipulate and deceive others), 
  • narcissism (egotism and self-obsession), 
  • psychopathy (the lack of remorse and empathy), and 
  • sadism (pleasure in the suffering of others).
Wo sind denn da die Zuschauer? Das schmeckt doch garnicht. Und ist außerdem völlig langweilig. Ich finde hier wird der Narzissmus mal entscheident überbewertet. Was hier zu mTragen kommt ist doch die Verletzung ögffentliche Ehrgefühls und das Verleieren des Gesichts des Anderen vor einer Gruppe. Das ist doch viel entscheidender. Oder etwa nicht?

Dazu Mr. Luxurious Table-Mirror: hast du zu viel sascha lobo gelesen?
Und zum thema cybermobbing: jemand der noch in der lage ist den rechner auszuschalten und aufzustehen um seinen mobbern einen unangenehmen besuch abzustatten ist immer noch der king.
denn die realität funktioniert immer noch ganz im netz. wenn du darauf verzichten kannst bist du unantastbar und in der lage wahren schaden anzurichten -
schlimm ist es nur wenn du auf das netz angewiesen bist, dann hast du 'virtuelle' schwierigkeiten
als beispiel: wie würde die cosa nostra reagieren wenn jemand sie im internet verunglimpft? - ein manipuliertes profil? eine ddos attacke? ein trojaner? oder eher ein schlag in die fresse
solange das skynet nicht alles regelt kann man prima den rechner ausschalten und sich umgehend (un)beliebt machen.

 

 Wo endet Trollen und fängt Cybermobbing an?


Jetzt zitieren alle Nachrichten dazu fleißig aus der ARAG Studie mit einer Befragung auf einer Grundgesamtheit von 10.000 Teilnehmern, die unter anderem 2005 von Catarina Katzer des Wirtschafts- und Sozialpsychologischen Instituts der Universität Köln verstellt wurde. Und diese Frau Katzer hat es mir angetan.

Dr. Catarina Katzer gehört international zu den führenden Forschern auf dem Gebiet „Cybermobbing und sexuelle Gewalt in der Internetwelt“ und arbeitet als Expertin für Kommissionen des Europarates, des Deutschen Bundestages sowie Regierungsinstitutionen im In- und Ausland. - chatgewalt.de

Zu gerne würde ich mich mit der attraktiven Frau Katzer, sozusagen als Spezialist auf Augehöhe, jedoch mit einem anderen Blickwinkel, zu einem Interview verabreden. Leider habe ich bisher noch keine Zusage bekommen. Aber ich habe natürlich bereits einige Fragen, die ich ihr stellen würde, zum Beispiel:


  1.  "Nach Schülerangaben begleiten und überprüfen nur 17% der Eltern, was sie im Internet machen. Dabei zeigt sich aber deutlich, dass zur Erlernung der Medienkompetenz, aber auch als Regulativ, die Begleitung der Eltern eine unverzichtbare Komponente darstellt."

      Ferner wird angeführt, dass die Lehrer und Eltern wegen ihrer traditionell geringeren Medienkompetenz also nur geringen Einfluß auf Cybermobbing haben. Kann es nicht sein, dass zwar die Überlegungen, die Schulung dieser Gruppen zwar eine Verbesserung der Überwachung (des Regulativ) bedeutet, aber dies nicht zu einem Bewältigungs- oder Verhinderungsverhalten für Betroffene und Potientielle Opfer führen wird?

2.    Den ängstlichen Eltern werden Anti-Gewalt-Trainingsan den Schulen für ihre Kinder in die Hand gelegt und "Fast die Hälfte der Eltern wünscht sich strengere Gesetze und schärfere Strafen".

    Bildet sich mit diesen Wünschen nicht gleichzeitig auch das Unvermögen dieser Gruppe ab selber mit Problemen fertig zu werden und ohne Bevormundung von staatlicher Seite keine Auswege zu sehen?

3.    Kann es nicht sogar sein, dass Eltern, die sich eine Bevormundung durch Normierung wünschen, etwa weil sie machtlos sind (unfähig, inkompetent, etc.),  eigentlich nicht als relevante Bezugsgruppe in diesem Thema in Frage kommen?

    Dies deshlab, weil das Regulativ nicht die Gruppe schützen wird, sondern lediglich Rechte aller beschneiden wird und die Gruppe der machtlos Unfähigen weiter bestärkt ihn ihrer Inkompetenz?

4.    Das Internet ist global vernetzt und besonders stark entwickelte sich die aggressive Netzkultur auf nahezu vollständig unregulierten Seiten wie 4chan.com, wo auch wieder die Anonymität der Nutzer förderlich dafür zu sein scheint. Ist dann im internationalen Vergleich eine deutsche "Internetpolizei" aus Eltern, Lehrern und dem Aufruf der staatsanwaltlichen Strafverfolgung für die meisten Fälle nicht eher der Bärendienst an der Medienkompetenz der Nutzer?

5.    "Jugendliche mogeln sich meist mit Hilfe von schlecht geschützten Passwörtern in Profile von anderen ein. Wirklich hacken können nur Wenige." schreibt tagesschau.de und macht auf eine andere Seite aufmerksam.

    Ist es nicht sogar möglich, dass bei solchen Attacken die Wirkung der fehlenden Medienkompetenz des Opfers erst den katalytischen Effekt erwirkt hat (z.B. schlechtes oder offensichtliches Passwort, PW Freunden mitgeteilt, aufgeschrieben, o.ä. Dummheiten)?


6.    Sie empfehlen ganzheitliche Konzept zur Gewaltprävention und Medienerziehung umzusetzen, das klingt aber eher nach einer Zuwendung zu sittlichen Vorgaben und pädagogischen Instrumenten, als nach der individuellen Entwicklung zu Fähigkeiten und Mündigkeit oder  Selbstbestimmung. Ist das also der Aufruf zur Normierung?



Und vielleicht wird Catarina Katzer des Wirtschafts- und Sozialpsychologischen Instituts der Universität Köln ja sogar antworten, wer weiß. Bis dahin überlege ich wen ich als nächstes aufs Korn nehme. Wer als nächstes von mir zum Täteropfer gedrängt wird. Wer schlimmer als in der Schule digital verhauen wird. Wer mir sein Passwort nennt. Wer überhaupt angreifbar ist. Es sind so viele scheißeblöd. Die Mühe lohnt fast nicht.

Dazu der Weltenrichter: "Es gibt 'die' Personen, die GENERELL auf Ignoranz treffen."

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